30 Argumente, die Argumente gegen das juristische Bloggen entkräften

Posted by | Januar 27, 2011 | Allgemein | 3 Comments

Dieser Beitrag von Mike Schnoor hat mich daran erinnert, dass ich auch noch einen Beitrag (aber wirklich nur den einen) auf Halde liegen hatte.

Johannes Zöttl vom Kartellblog hat vor Weihnachten die gesammelten Argumente Ausreden seiner Kollegen gegen das juristische Bloggen gesammelt. Ich habe mir Mal die Mühe gemacht, zu antworten.

  1. Blog, nie gehört.
    Eine Fachzeitschrift im Eigenverlag herausgegeben. Im Internet. Mit der Möglichkeit auf Augenhöhe mit Mandanten und Kollegen zu diskutieren.
  2. Blogs bringen Publicity. Anwälte sind Organe der Rechtspflege. Das sind Teufel und Weihwasser.
    Anwälte dürfen für ihre Leistungen werben, wenn sie sachlich informieren und nicht auf ein Mandat im Einzelfall abzielen. Das steht so im Gesetz. Blogs sind für diese Art der Öffentlichkeitsarbeit ein ideales Medium. Sie können auf aktuelle Entwicklungen in Gesetzgebung und Rechtsprechung hinweisen. Und sie können über die Kommentarfunktion diese Entwicklungen mit sachkundigen Personen diskutieren.
  3. Bloggen kostet Nerven: der Druck, frischen Content zu bringen, zu draften, Umgebung zu beboachten, und leidige Technik-Updates. Nerven gehören ins Mandat.
    Bloggen sollte vor allem Spaß machen. Content ergibt sich fast von selbst – aus Ihrem Tagesgeschäft.

  4. Mandanten würden befürchten, sich im Blog wiederzufinden.
    Dann schreiben Sie nicht über Mandanten.
  5. Blogs führen zu einem Abfluss von Know-how an die Konkurrenz.
    Wer professionell Unternehmenskommunikation betreiben will und (potenzielle) Mandanten laufend mit aktuellen Informationen versorgen möchte, wird mit dieser Gefahr leben müssen. Duschen ohne nass zu werden, geht noch nicht. Die Gefahr ist allerdings geringer, als Sie denken. Zum einen wäre Ihr Wettbewerb nicht Ihr Wettbewerb, wenn er nicht von sich aus Know-how aufbauen könnte. Zum anderen gibt es einen Unterschied zwischen passivem Wissen und der Fähigkeit, Wissen auch aktiv umsetzen zu können.Außerdem: Lassen Sie dieses Argument auch bei einem Beitrag zur NJW gelten?
  6. Wir ließen die Social Media Consultants pitchen, die haben schön vorgesungen, alle dasselbe Lied. Danke, nein.
    Kann ich verstehen. Lassen Sie die Finger von jedem, der sich Social Media Consultant nennt. Social Media ist nichts weiter als ein Kanal, eine Infrastruktur. Wichtiger ist der Inhalt. Das, wozu Sie diese Infrastruktur nutzen.  Suchen Sie sich lieber einen versierten Online-Journalisten oder einen PR-Berater, der Online versteht. Jemanden, der Ihre Themen versteht. Jemanden, der Ihnen Hilfe zur Selbsthilfe anbietet.
  7. Ein Sack Flöhe. Dann wollen die Kollegen Mitarbeiter alle mal an die Tasten.
    Genau da wollen wir hin. Das ist das Ziel. Engagierte Mitarbeiter, die alle zum Erfolg des Blogs beitragen. Und mit der Etablierung von redaktionellen Prozessen, der Definition von Freigabe- und Feedbackroutinen ähnelt das auch nicht mehr einem Sach Flöhe, sondern eher einer Online-Redaktion.  Falls Sie dann immer noch Angst haben, Ihre Mitarbeiter schreiben falsche oder unpassende Beiträge … Herzliches Beileid zu Ihrer Unternehmenskultur. Oder Ihrem Recruiting.
  8. Die Blog-Landschaft ist besetzt. Neuzutritte bekommen keinen Boden unter die Füße.
    Warum so schüchtern? 150.000 zugelassene Anwälte haben Sie doch auch nicht an der Berufswahl gehindert?
  9. Ein Blog bringt kein Mandat.
    Ein Blog dient zunächst einmal der Schärfung des Profils, dem Reputationsaufbau im Netz, der Positionierung als Experte. Ob das funktioniert, lässt sich messen. Über qualitative Medienanalysen, über Clickzahlen, über den Pagerank. Und Menschen, die ein klares Online-Profil haben, werden eingeladen. Zu Netzwerktreffen. Zu Vorträgen. Und zu Pitches. Oder der Mandant kommt direkt zu Ihnen, weil er sich über sein Problem vorab im Netz informiert hat und dabei fünf Mal Ihren Namen gelesen hat.
  10. Es ist unmöglich, den in Großkanzleien unvermeidlichen Interessenkonflikten in einem Blog angemessen Rechnung zu tragen.
    Diese Aussage ist so allgemein, dass es unmöglich ist, dagegen zu argumentieren. Ohne weitere Substantiierung klingt das doch arg nach einer Ausrede.
  11. Die traditionellen Print-Medien sorgen bei uns ausreichend für Information.
    Es geht beim Bloggen um wesentlich mehr als um Informationsvermittlung. Es geht um Beziehungsaufbau, um Positionierung und um einen subtilen Weg in den Kopf potenzieller Mandanten.
  12. Um den return on investment streiten selbst die Social Media-Leute.
    Bloggen ist Beziehungsaufbau. Ich weigere mich, den Wert von Beziehungen betriebswirtschaftlich zu messen.
  13. Kartellrechtspraxen sind auf einen höflich-respektvollen Umgang mit Kartellbehörden angewiesen. Beamte könnten Kritik in den falschen Hals bekommen.
    Natürlich. Das kann passieren. Auch das liegt in Ihrer Hand. Sachliche Kritik, stichhaltig argumentiert und im angemessenen Ton vorgetragen, dürfte niemandem in den falschen Hals kommen. Vereinzelt mögen Beamte auch das als perönlichen Angriff verstehen, solche Persönlichkeiten werden allerdings auch die Farbe Ihrer Krawatte gegen Sie verwenden.P.S.:Dieses Argument würde ich lieber nicht in Gegenwart von Mandanten verwenden. Konfliktscheu ist kein Attribut, das ich mir für meinem Anwalt wünsche.
  14. Blogs? For kids, yes.
    Daimler. Frosta. Zott. GM. Vodafone. Greenpeace. Fraunhofer. Süddeutsche Zeitung. Alles nur Spielkinder. Schon Klar. Das Greenpeace-Blog hat eine Reichweite und Meinungsmacht, die ausreicht, Großkonzerne unter Druck zu setzen. Es gibt Sachverständige, die im Bundestag gehört werden und bloggen. Auch Spielkinder in Ihren Augen?
  15. Die deutsche juristische Blogosphäre ist geprägt von Larifari, mit dem man sich nicht gemein machen sollte.
    Das ist Ihre Gelegenheit, zu zeigen, welche inhaltliche Tiefe das Medium Blog erreichen kann. Das Argument ‚X macht die Sache Y nicht gerade professionell, deshalb sollte man Y lieber nicht machen‘, habe ich im Übrigen noch nie verstanden. Ausrede.
  16. Der Dr. X würde mich beim nächsten Meeting niedermachen. Der hatte zum Thema jetzt einen Aufsatz in der WuW.
    Siehe 13. Der Aspekt mit der Konfliktscheuheit.
  17. Der Blogger hat keine Kontrolle darüber, wo seine Meinungskundgaben enden.
    Eine einmal geäußerte Meinung ist in der Welt. Da macht es keinen Unterschied, ob sie das ins Internet schreiben, bei einer Konferenz vortragen oder in der NJW veröffentlichen. Das Internet erleichtert allerdings die Weitergabe der Meinung. Das können Sie nun als Bedrohung oder als Chance begreifen. Was von beidem es ist, hängt in meinen Augen zum großen Teil von der Stichhaltigkeit und Relevanz Ihrer Inhalte ab.
  18. Wir vermarkten uns über unseren Erfolg.
    Sie sollten nicht den Fehler begehen, das Medium mit dem Thema zu verwechseln. Ein Blog ist ein Medium. Ihr Erfolg könnte ein Thema unter vielen sein, für das das Blog ein Medium unter vielen ist. Sollten Sie allerdings glauben, Ihr Erfolg ist auch Ihr Erfolgsgarant, wünsche ich Ihnen viel Glück. Sie werden es brauchen.
  19. Den Zugang zu Medien schafft man sich über Agenturen, can’t cut out the middleman.
    Beantworten Sie sich bitte einfach nur diese Frage: Wo wollen Sie lieber hin? Auf das Cover des Manager Magazin? Oder in den Kopf von 300 Inhouse-Juristen? Die klassischen Medien sind nur ein Mittler, um in den Kopf Ihrer Zielgruppe zu gelangen. Ein Blog erfüllt die gleiche Funktion.
  20. Kein Mensch kann seine Aufmerksamkeit so disziplinieren, dass trotz Blogging die volle intellektuelle Kraft für harte anwaltliche Tätigkeit verbleibt.
    Eine Frage der Einstellung. Begreifen Sie Öffentlichkeitsarbeit als Teil Ihrer Aufgabe in der Kanzlei und nehmen Sie sich ein Zeitfenster für das Bloggen. Sollte Sie das Verfassen des Beitrags dann immer noch intellektuell fordern, ist das unter Umständen ein Zeichen dafür, dass Sie das Thema noch nicht zur Gänze verstanden haben.
  21. Blogs sind als Plattform wegen Twitter und Facebook in Auflösung begriffen. Sie wissen es nur noch nicht.
    Substantiierung bitte, dann argumentiere ich auch gerne dagegen.
  22. Blogger können nur eines gut: sich mit sich selbst beschäftigen.
    Machen Sie es besser.
  23. Es ist unmöglich, einen Blog regelmäßig mit aktuellen Inhalten zu bestücken, von denen es nicht ausreichend viele gibt.
    Doch, das ist möglich. Themen gibt es wie Sand am Mehr. Häufig ist es allerdings nicht einfach, sie zu identifizieren. Dafür gibt es Kreativitätstechniken.
  24. Kein seriöser deutscher Justiziar würde auf die Idee kommen, sich über ein Blog über aktuelle Entwicklungen zu informieren.
    Warum?
  25. Großkanzleien betreffende Mandatierungsentscheidungen werden über Parameter getroffen, für die ein Blog bestenfalls neutral ist.
    Siehe 9.
  26. Blogs kommen und gehen, keine stabile Investition.
    Ähm. Es ist Ihr Blog. Ob es geht, ist genauso Ihre Entscheidung wie die, ob es kommt.
  27. Es gilt die Aura des universalen Wissens zu wahren. Blogger machen unweigerlich Fehler.
    Menschen machen Fehler. Anwälte auch. Menschen wissen das. Von meinem Anwalt erwarte ich, dass er zu seiner Fehlbarkeit steht. Das macht ihn menschlich.
  28. Einen RSS auf die Webseite zu bringen, das war intern Kampf genug.
    Das glaube ich Ihnen gerne. Die Frage, die sich mir stellt ist eher: Warum zum Teufel sollte man einen RSS-Feed mit fremden Inhalten auf der eigenen Seite laufen lassen und damit die Klickraten eines kommerziellen Anbieters nach oben treiben? Sie schicken jemanden, der Informationen sucht, direkt von der Startseite wieder zu einem Drittanbieter. Ich würde stattdessen ja lieber selbst die Antworten liefern. Das geht sehr gut über einen Blog.
  29. Wird schon einen Grund haben, dass Großkanzleien keine Blogs haben.
    Da gibt es eine Menge, wie wir hier gerade sehen. Nicht jeder davon ist allerdings einleuchtend.
  30. Do we care.
    Nö. Eigentlich nicht. Wenn Ihre Kanzlei keinen Blog starten will, hindert Sie neimand daran, einen privaten zu starten. Ihre persönliche Reputation steigt, Ihr Netzwerk wird größer, Ihr Know-how steigt en passent und dass Ihr persönlicher Marktwert gestigen ist, merken Sie an der Zahl der Headhunter-Anrufe.

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