Print bleibt

Posted by | Februar 14, 2012 | Allgemein | One Comment

Lesen wir noch Gedrucktes, fragt Mike Schnoor. Ich glaube es hackt! Natürlich lese ich noch Gedrucktes. Print war immer da und Print wird bleiben. Versteht mich nicht falsch, ich bin Digital Resident, liebe mein iPad lebe konsequent digital – daraus aber zu schließen, dass Print für mich keine Rolle mehr spielt, ist Irrsinn.


Bild lizenziert unter CC-BY von Karen Horton | flickr.com

Es ist Irrsinn, weil ich lese. Gerne und viel. Und überall. Eine Freundin nannte mich mal Informationsjunkie. Und die Beschreibung ist nah an der Realität. Wenn mal kein Qualitätstext zur Hand ist, lese ich eben die Produktbeschreibung auf der Rückseite der Orangensaftpackung (100 Prozent Saftgehalt).

Aktuelles

Was sich ändert, ist die Art der Informationen, die ich über Print beziehe. Die Tageszeitung hat bei mir schon sehr früh verloren. Als Jugendlicher bin ich mit der Rheinischen Post aufgewachsen. Später in Köln habe ich dann Kölner-Stadtanzeiger gelesen, zum Examen in Jura kam dann die Frankfurter Allgemeine Zeitung hinzu und sofort nach dem Examen wieder weg. Gelesen habe ich die nur, weil sie eine regelmäßige Rubrik Recht hat und weil bekannt ist, dass die Prüfer sie lesen.

Nach dem Examen habe ich die FAZ dann gegen die Süddeutsche Zeitung getauscht.  Weniger verkrampft und gesünder für die Psyche, besonders, wenn es um den meinungsbildenden Teil geht. Zu diesem Zeitpunkt habe ich den Stadtanzeiger schon nicht mehr gelesen – zu langweilig, zu piefig, zu unkritisch. Wie sich viel später gezeigt hat – zu Recht.

Was soll man von einer Tageszeitung halten, die es nicht schafft, Stadtarchiveinsturz, Filz, Stadtbahnbau und Eröffnung erst 2022 zu einer dauerhaften öffentlichen Diskussion zuzuführen?

Während meiner Zeit in der großen PR-Agentur im Zentrum der Stadt waren dann kundenbedingt Handelsblatt, Financial Times Deutschland, Börsen Zeitung und erneut FAZ und SZ Pflichtlektüre. Heute lese ich immer noch alle – allerdings digital. Als RSS-Feed in meinen Reader, den ich in der Bahn , im Bus oder auf dem Sofa (nicht in der Wanne) per iPad abrufe. Die jeweiligen Printausgaben sind mir nicht mehr aktuell genug. Das meiste weiß ich dann schon und für Hintergründe, Zusammenhänge und Analysen lese ich andere Medien.

Hintergründe & Analysen

Für Hintergründe lese nutze ich sehr gerne Print. Die brand eins lese ich zum Beispiel regelmäßig auf Papier. Natürlich gibt es auch für die brand eins die Möglichkeit des digitalen Konsums, für mich fühlt sich das Heft aber besser an. Ich kann Eselsohren als Lesezeichen setzen (ja, ich lese die brand eins wirklich wie ein Buch!) und in der Badewanne meinen Geist inspirieren lassen. Nein, mit dem iPad funktioniert das nicht.

Wenn ich beruflich bedingt Themen im Internet recherchiere, dann drucke ich mir die Artikel dazu aus und lese sie mit Stift bewaffnet auf dem Sofa – auch das ist Print. Generell – alle Lektüre, die mit konzipieren zu tun hat, kann ich mir nicht digital vorstellen.

Fiktion

Bei Büchern sieht es ein wenig anders aus. Ich habe erst vor kurzem eBooks für mich entdeckt und finde die Idee ganz charmant, nur ein Buch mit unbegrenzt vielen Inhalten zu haben. Dennoch werde ich weiter Bücher in gebundener Form lesen. Ich finde die Auswahl auf dem iPad einfach noch zu gering – wenn es Bücher wie den Universalcode noch nicht als eBook gibt, ist das ein Zeichen. Der Markt ist noch nicht reif, meine Bedürfnisse zu befriedigen.

Kindle hat bei mir die Chance verpasst, einen guten ersten Eindruck zu machen.  Wenn ich nicht aus der iPad-App heraus bestellen kann – und das kann ich nicht –dann ist das Produkt für mich wertlos. Ja, ich weiß, es gibt eine Möglichkeit, die Bücher hochzuladen. Aber der Workaround macht die ganze Erfahrung Kindle auf dem iPad so blöd, dass ich lieber das gebundene Exemplar nehme.

Außerdem:  Ich liebe es, in der Wanne zu lesen. Ich liebe eBooks. Und ich liebe mein iPad. Deshalb lese ich in der Wanne Print. Ich bin anerkannter Tollpatsch.

Ja, Medienwandel ist toll. Ja, viele Zeitungen, Magazine und Bücher werden in Zukunft nicht mehr gedruckt werden, ganz einfach weil sich die Mediennutzung ändert. Aber sie werden nicht ganz verschwinden. Weil auch ein digital Hardcore wie ich gerne Print nutzt.

Wir digital Residents dürfen nicht dem Irrglauben erliegen, unser Medienverhalten sei representativ. Wir mögen uns für die fortschrittsorientierte Elite halten, für die anderen sind wir allerdings nur eine kleine, äußerst freakige Minderheit.  Bei Licht betrachtet, ist deren Einschätzung näher an der Realität, als unsere. Für die Masse bleibt Print noch lange wichtig.

Selbst bei mir bleibt Print.

One Comment

  • Das Auge ist die bessere Maus…

    Heute ist Freitag. Und wir sind der Blogparade von Mike Schnoor noch einen Beitrag schuldig. Thema: Lesen wir noch Gedrucktes? Die Frage bleibt im Netz natürlich nicht unbeantwortet. Schnell entsteht eine Sammlung von Argumenten, warum Print unbedingt …

Leave a Reply

Your email address will not be published.