Home » alles / all

Digital Natives

10 November 2009 2 Comments
Digital Natives. Bild:CC-BY flickr/viagallery.com

Digital Natives. Bild:CC-BY flickr/viagallery.com

Von Don Dahlmann geklaut, der bei  Felix Schwenzel geklaut hat, der woanders geklaut hat.

Mein Umgang mit dem Internet und modernen Kommunikationstechnologien wird von den Medien gerne der Gruppe der Digital Natives zugeordnet. Aber was ist das eigentlich? Ein Digital Nativie. Ein Selbstgespräch.

Christian, Deine Generation wird als „Digital Natives” bezeichnet. Sagt dir dieser Begriff etwas?

Nimmt man das Alter als Maßstab, bin ich wohl kein richtiger ‘Digital Native’. Dennoch bestimmen digitale Medien und die digitale Kommunikation einen großen Teil meines Alltags.  Das empfinde ich als vollkommen normal. Auch meine Freunde, die beruflich etwas ganz anderes machen als ich gehen mit dem Internet ohne Berührungsängste um und nutzen so selbstverständlich wie öffentliche Verkehrsmittel oder das Telefon.

Du bist 35 Jahre alt und hast natürlich auch einen eigenen Computer. Seit wann besitzt du ihn und musst nicht mehr den Familien-PC benutzen?

Meinen ersten Computer – einen Amiga 500 – habe ich mit 17 bekommen. Das war dann auch der einzige Computer in der Familie. Mit 17 war ich ziemlich spät dran im Vergleich zu meinen Freunden, die teilweise mit 12 ihren C64 im Kinderzimmer stehen hatten. Meine Eltern waren der Meinung, Beschäftigung mit dem Computer hält mich davon ab, das zu lernen, was im Leben wichtig ist. Heute sind sie begeisterte Internet-Nutzer.

Meinen ersten PC habe ich mir zu beginn meines Studium 1995 zugelegt – mit einem 28k-Modem. Der erste Laptop kam 1999 zusammen mit einem DSL-Anschluss. Seit 2008 nutze ich das Internet auch mobil.

Und wie schaut bei dir ein normaler Tag – in Bezug auf das Internet – aus? Kannst du deinen Tagesablauf beschreiben, also wie oft du am Tag E-Mails, Facebook- oder Twitter-Mitteilungen checkst?

Mein Handy weckt mich gegen Sieben. Sofern nicht meine Liebste neben mir liegt, überprüfe ich noch im Bett meine Mail-Inbox, werfe einen kurzen Blick auf meine twitter-Timeline und gucke bei google Mail auf meine To-Do-Liste. Läge meine Liebste neben mir, bekäme ich dafür einen mitleidigen bis strafenden Blick.

Auf dem Weg in die Dusche werfe ich mein Notebook und die Espressokanne an. Während des Frühstücks informiere ich mich bei Spon, Handelsblatt, FTD über die Nachrichtenlage und überfliege meine RSS-Feeds. Frühstücke ich mit der Liebsten, verschiebe ich das auf Später.

Während der Arbeit bin ich eigentlich ständig online – weil genau das einen Großteil meine Arbeit ist: Recherche und Kommunikation, die bei mir fast ausschließlich digtal abläuft.  Bin ich unterwegs, checke ich Mails und twitter über mein Mobiltelefon.  Die längste Online-Pause am Tag liegt bei mir zwischen 18.30 Uhr und ca. 21.00 Uhr: Zeit für Haushalt, Freundin, entspanntes Kochen.

Was verstehst du persönlich – unabhängig von der Meinung deiner Kollegen, Freunde oder anderen – unter „richtigem Verhalten” im Netz?

Das Internet ist die größtmögliche Öffentlichkeit.Und die ist durchaus real. Das Internet als einen virtuellen oder gar rechtsfreien Raum zu verstehen ist gefährlich. Menschen sollten sich im Netz daher so verhalten, wie sie es auf der Straße auch täten: sich vorstellen – mit ihrem Klarnamen. Höflich bleiben, sachlich bleiben. Und vor allem nachdenken, bevor sie etwas leichtfertig in das Internet stellen. Ganz gleich ob das Texte oder Bilder sind. Für Unternehmen und den Staat gelten da etwas andere Regeln, wenn auch keine anderen als Offline. Kurz gesagt: Wer als Unternehmen transparent und authetisch ist, sammelt schon mal Sympathiepunkte.

Welche Rolle spielt das Internet auf der Arbeit? Habt ihr auf der Arbeit Computer mit Internetzugang und lernt ihr gezielt mit dem Internet zu arbeiten, also beispielsweise darin zu recherchieren? Und werdet/wurdet ihr auf der Arbeit von euren Vorgesetzten darüber aufgeklärt, was ihr im Internet dürft und was nicht?

Ich habe in meinem ganz Berufsleben immer mit dem Internet, über das Internet und für das Internet gearbeitet. Dementsprechend gab es bei keinem meiner Arbeitgeber bisher technische Restriktionen, was den Internetzugang angeht. Private Internetnutzung war zwar in jedem Arbeitsverhältnis untersagt, wurde aber überall geduldet. Ich kann mir ehrlich gesagt auch kein Unternehmen vorstellen, das nicht von unbegrenztem Netzzugang für Mitarbeiter profitiert. Technische Restriktionen sind immer ein Ausdruck tiefliegenden Mistrauens den Angestellten gegenüber.

Hast du eine Vorstellung warum das Kopieren von Musik und Filmen im Internet in vielen Fällen nicht erlaubt ist? Findest du es richtig, dass das Hoch- und Herunterladen in den meisten Fällen nicht erlaubt ist?

Schwierige Frage. Als Kreativer lebe ich vom Urheberrecht und bin über den Schutz von geistigen Schöpfungen froh. Allerdings darf das nicht so weit gehen – wie im Fall der Musikindustrie – dass ein Gesetz zum Schutz überkommener Geschäftsmodelle missbraucht wird.

Sollte man deiner Meinung nach alles, was im Internet verfügbar ist, auch frei nutzen dürfen? Oder kannst du auch die Urheber verstehen, die das nicht möchten?

Und wie ich die verstehen kann. Als Kreativer kann man gar nicht anders. Allerdings möchte ich ich jeden, der kreativ arbeitet, ermuntern Inhalte unter Creative-Commons-Lizenzen zu veröffentlichen.

Du hast erzählt, dass du ein Profil bei Facebook hast. Wie stellst du dich dort selber dar? Wer darf sich alles dein Profil anschauen?

Facebook ist eine sehr persönliche Sache. Sichtbar ist mein Profil für Freunde. Als Freunde füge ich nur Personen hinzu, die ich schon länger von Angesicht zu Angesicht kenne. Inhaltlich findet sich dort ein krudes Sammelsurium an Links, die mir zwischendurch mal über den Weg gelaufen sind und die ich mit anderen teilen möchte.

Hast du das Gefühl, dass du dich zu anderen im Internet anders, vielleicht offener und direkter verhältst, als wenn sie in natura vor dir stehen?

Nein.

Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht, dass dein Arbeitgeber dich dann vielleicht vor dem Bewerbungsgespräch googelt und dabei peinliche Fotos von dir findet?

Ich hoffe sehr, dass jeder, der mich engagieren möchte vorher googelt und dann auch Sachen von mir im Netz findet. Peinliche Fotos werden da keine auftauchen – ganz einfach aus dem Grund, dass diese nicht im Netz stehen. Dann eher schon Texte, die ich heute nicht mehr so verfassen würde. Allerdings sind da keine dabei, die mich sofort ins Abseits katapultieren würden. Eher solche, die nicht mehr meinem heutigen Standpunkt entsprechen.

Christian, herzlichen Dank für das Gespräch!

Immer wieder gerne.

Irgendwas ist ja immer – Reloaded Rotating Header Image

Digital Natives – Ein Selbstgespräch

Von Felix geklaut, der woanders geklaut hat.

Don, deine Generation wird als „Digital Natives” bezeichnet. Sagt dir dieser Begriff etwas?

Das mit den Generationen ist ja schon so eine Sache. Ich bin 42 und muss bei den meisten Drop-Down Menüs schon ganz weit nach unten scrollen. Danach kommt meist “60 und älter”. Ich glaube nicht, dass der Begriff “digital natives” etwas mit dem Begriff “Generationen” zu tun hat. Das würde bedeuten, dass man in einem bestimmten Alter etwas macht, und dann nicht mehr. Aber das Internet, bzw. seine Nutzung ist ja nicht so wie das Kiffen. Oder vor Clubs anstehen. Für beides wird man irgendwann meist zu alt (Husten, Rheuma). Die “richtigen” digital natives, also jene, die das schon seit den 80er machen, bewegen sich stramm auf die 50 zu oder haben die Schwelle schon übersprungen. Genauso kenne ich unter 30 jährige, die dreimal die Woche nach den Mails schauen und das Internet so anfassen, wie andere Leute eine schmutzige, alte Socke. Es ist also keine Frage von einer Alters-Generation, sondern mehr eine Einstellung zu Dingen. Also wie neugierig man auf diese Welt ist, und was man selber damit anfangen möchte. Ein schönes Beispiel dafür ist auch mein Vater. Der ist 67, hat dieses Jahr seine erste Firmenwebseite auf WordPress eröffnet und kommuniziert per Mail und Handy.

Du bist 42 Jahre alt und hast natürlich auch einen eigenen Computer. Seit wann besitzt du ihn und musst nicht mehr den Familien-PC benutzen?

Mein Vater hatte in den 80er Jahren mal einen Rechner. Na ja, Rechner. Ein Gerät mit zwei Floppy-Laufwerken. In die seine musste man die Diskette mit dem Betriebssystem stecken, dann starte der Rechner. In die andere kamen die Floppys mit den Programmen. Der Rechner war mit einer elektrischen Schreibmaschine verbunden und wie von Zauberhand konnte man Texte drucken. Später habe ich bei einem Freund einen Rechner ab und an nutzen dürfen. Meinen ersten eigenen Rechner hatte ich Anfang der 90er. 286er, irgendwas. Seit dem halt den üblichen Zyklus mit gemacht, und alle drei bis fünf Jahre einen neuen Rechner gekauft. 1997 kam ISDN, 1999 (nach acht Monaten Wartezeit) DSL. Erster Laptop irgendwann dazwischen, mittlerweile zwei Rechner, zwei Laptops, zwei Handys.

Wo bewegst du dich denn im Internet? Hast du eine eigene Homepage bzw. einen Blog?

Angefangen hat es mit BBSen, dann die ersten Webseiten usw. Heute leiten mich mein RSS-Reader (ca. 800 Abos) und sämtliche social media Aggregatoren durchs Netz. Man mäandert halt so rum und läßt sich im Strom der Webseiten treiben. Ich nutze mittlerweile den Rechner wie das Handy für diese Bewegung.

Meine erste Webseite hatte ich irgendwann 1995. AOL (shame on me) oder Yahoo, wo weiß ich nicht. Dann kamen ein paar verschiedene Webseiten, die erste eigene Domain ca. 1998. Gleichzeitig trieb ich mich in diversen Foren rum. 2000 entdeckte ich die ersten Blogs. Das erste bei blogger.com auf- und nach vier Monaten wieder zu gemacht. 2001 dann wieder bei blogger.com, 2002 zu Antville umgezogen. Mittlerweile befülle ich zwei eigene Blogs regelmäßig. Twitter seit 2007, Facebook glaub ich auch. Ich nutze aber nur Twitter und Facebook wirklich regelmäßig. Den Rest der social media Seiten fülle ich per ping.fm über Twhirl.

Und wie schaut bei dir ein normaler Tag – in Bezug auf das Internet – aus? Kannst du deinen Tagesablauf beschreiben, also wie oft du am Tag E-Mails, Facebook- oder Twitter-Mitteilungen checkst?

Ich lasse mich vom Handy wecken. Im Bett schaue ich dann schon mal per Handy, was so an Mails eingegangen ist. Badezimmer, Rechner. Dort dann weitere Mailaccounts, spiegel.de, RSS, dabei Frühstück. Oder, wenn ich ins Büro gehe. Mails auf dem Weg, dann dort den Rest.

Wie ich den Tag verbringe, hängt sehr von der Arbeit ab. Wenn ich viel schreiben muss, dann ignoriere ich den RSS-Reader und schalte oft auch Twitter aus. Ich lasse mich eh leicht ablenken, da hilft Twitter nicht. Wichtige DMs bekomme ich eh per Mail. Den Rest des Tages verbringe ich entweder im Netz oder vor einem Text.

Das geht, in der Woche, immer bis zum Abend. Es gibt dann zwei Varianten. Entweder stecke ich knietief in der Arbeit, dann geht es so lange, bis ich fertig bin. Oder ich schaffe es, dass ich zumindest den Rechner in der Woche so gegen 20.00 Uhr ausknipse. Mails kommen eh auch übers Handy rein und ich schaue Abends regelmäßig nach. Wenn mir langweilig wird, starte ich die Twitter App im Handy. Ich nutze das Netz aber auch, wenn der Rechner aus ist. Wenn ein Film im Fernsehen läuft, den ich nicht kenne, dann schaue ich per Handy auf imdb.org um was es geht. Das Netz ist bei mir eigentlich immer an, allerdings dosiere ich meinen Zugriff auf Arbeitszeiten.

Das hat was damit zu tun, dass ich zu 80% mein Geld mit dem Netz verdiene. Um abschalten zu können, muss ich es auch mal abschalten. Komischerweise ist das Wochenende, wenn ich alleine bin, anders. Zum einen nutze ich das Netz dann auch Abends länger, vor allem weil ich TV-Streams schaue.

Allerdings – die Frage ist schon merkwürdig. Internet ist so etwas wie ein Stromanschluss. Ohne kann und will ich nicht leben. Und ich betrachte den Zugang zum Netz auch genauso – als etwas völlig normales, etwas zum Leben gehört. Man fragt ja auch nicht: “Und? Wie oft hast du heute deinen Stromanschluss genutzt? Und wie lange? Hast du das Gefühl, dass du von deinem Stromanschluss abhängig bist?”

Welche Rolle spielt das Internet auf der Arbeit? Habt ihr auf der Arbeit Computer mit Internetzugang und lernt ihr gezielt mit dem Internet zu arbeiten, also beispielsweise darin zu recherchieren? Und werdet/wurdet ihr auf der Arbeit von euren Vorgesetzten darüber aufgeklärt, was ihr im Internet dürft und was nicht?

  • http://160typo.blogspot.com Nico

    erster rechner 1995????
    das kann kein native sein. ich meine, in unserem alter spricht man immer noch mit glasigen augen vom c64/atari st/amiga

  • Christian

    Nico. Genauer lesen ;-) . Erster Rechner mit 17. Erster PC 1995.