Was für die Bewerbung wichtig ist….
Die WuV hat diese Woche einen Gastbeitrag der Personalberaterin Lydia Morawietz veröffentlicht, der Bewerbern in der Medienbranche wertvolle Tipps liefern soll. Themensetzung für die Kommunikation verfehlt, meint Gastautorin Astrid Krampe.
Was für die Bewerbung wichtig ist….
Ein Gastbeitrag von Astrid Krampe
Bei der W&V hab ich einen Betrag gelesen, der Bewerbern die anstrengende und aufreibende Bewerbung erleichtern soll und hilfreiche Tipps gibt. Dachte ich… Nachdem ich den Artikel gelesen hab, bin ich ein wenig skeptisch, ob tatsächlich Bewerber oder Unternehmen unterstützt werden sollen.
Es ist die Rede davon, dass sich das Unternehmen bereits im ersten Schritt der Bewerbungsphase ein Bild darüber machen kann, warum ein Bewerber ausgerechnet dort arbeiten will. Als Grund für den hohen Druck auf den Bewerber wird der massive Kostenpunkt des Bewerbungsprozesses für das Unternehmen angeführt. Ach so.
Schon an dieser Stelle jucken die Finger für den verbalen Gegenschlag, denn zum einen hat auch ein Bewerber erhebliche Kosten bei seiner Bewerbung (Fotos, anständiger PC, Internet, vorzeigbare Kleidung und, und, und). Und zum anderen geht es doch wohl auch darum, dass ein Unternehmen einen Zuwachs sucht, um die eigenen Kompetenzen zu stärken. Warum hier das menschliche Know- how anders betrachtet wird, als die Suche nach entsprechendem Produktionsmaterial, wird nicht deutlich. Für die Suche des eigenen Vorteils Arbeit, Kosten und Mühen auf den Bewerber abzuwälzen und nicht als selbstverständliches Übel der eigenen Suche anzusehen, ist ein interessanter Aspekt…
Weiter, so heißt es im Text, ist der Bewerber angehalten, auf die „Zwischenzeilen“ zu achten, um das Selbstverständnis des Unternehmens herauszuhören und entsprechend zu prüfen, ob es zu einem passt oder nicht. Das setzt gleich zwei Dinge voraus, die in den meisten, mir bekannten Stellenausschreibungen nicht zutrafen. Die meisten Unternehmen haben kein klar formuliertes Selbstverständnis und auch bei denen, die ein entsprechendes Selbstverständnis angeben, sei dahin gestellt, ob es der Realität entspricht. Der andere Punkt ist, dass die Unternehmen oftmals nicht einmal wissen, was sie eigentlich von ihrem neuen Teammitglied erwarten. Mindestens die Hälfte aller Stellenausschreibungen, die durch meine Hände gelaufen sind, bezog sich nicht auf die tatsächlichen Aufgaben. Oft wurden sogar Stellenausschreibungen von anderen Unternehmen kopiert und nur geringfügig angepasst.
Nicht einmal bei den Hard Skills stimmten reale Anforderungen und Stellenbeschreibung überein. Was Lydia Morawietz, die ausgewiesene Expertin in Sachen HR, propagiert hat nichts mit der Realität zu tun und ist in meinen Augen sogar schädlich.
Gerade Bewerber aus dem Bereich Marketing und Kommunikation sind derzeit massiv unter Druck. Gründe dafür sind die Wirtschaftskrise und die weit verbreitete Unternehmensmoral, lieber unbezahlte Praktikanten für die Arbeit zu nehmen als qualifizierte Ausgelernte. Folge: Bewerberüberschuss. Die belastende Situation, die oftmals ohne Selbstverschulden eingetreten ist, kostet die Bewerber viel Kraft und bringt gute Fachleute dazu, nervöser zu werden, als sie es im beruflichen Alltag jemals wären. Immerhin geht es um die persönliche Existenz und nicht ein Projekt, das als schwerwiegendstes Problem den Pantone-Wert des Logos hat. Ob der zusätzliche Druck für irgendetwas gut ist, wage ich zu bezweifeln. Dass allerdings die gefühlvolleren unter den Bewerbern den Kürzeren ziehen, halte ich für wahrscheinlich. Wenn das gewollt ist, erübrigt sich auch die Ausformulierung der Unternehmensphilosophie.
Astrid Krampe verantwortet als Social Media Redakteurin die digitale Kommunikation der Giffits GmbH in Hamburg. Zuvor war sie Personalberaterin bei RPS Personalservice und vermittelte als Projektleiterin beim Senior Experten Service in Bonn Fach- und Führungskräfte ins Ausland. Astrid Krampe hat Sprachen und Arbeitsrecht studiert und ist ausgebildete Online-Redakteurin.


Passend zum Thema, dieser kurze Beitrag drüben bei franziskript: http://blog.franziskript.de/?p=4405