Der Mandant, das sensible Wesen
Das Kartellblog. von Johannes Zöttl verlässt das Metablog JuraBlogs und mich hat interessiert, warum. Zöttl selbst blieb in seinem Post dazu reichlich vage. Daher war ich ein wenig gemein und habe nachgebohrt. Vermutet habe ich es ja. Es ist (wieder einmal) die sensible Mandantenbeziehung, mit der argumentiert wird. Und ja, Mandantenbeziehungen können ein Grund sein, die eigene Kommunikation zu überdenken. Je mehr Umsatz der jeweilige Mandant generiert, umso eher werden seine Befindlichkeiten zu den Problemen des Anwalt – mögen diese Befindlichkeiten aus Sicht des Kommunikators auch noch so absurd sein, wie im Fall JuraBlogs und Kartellblog. Doch das ist ein anderes Thema. Über das Wochenende habe ich mir ein paar Gedanken dazu gemacht, wie man mit den Befindlichkeiten der Mandanten in der Kommunikation umgeht.
Das entscheidende Stichwort ist: Relevanz. Wer als Autor seinem Mandantenkreis relevante Informationen liefert, vermindert schon mal die Wahrscheinlichkeit, dass dieser verschnupft die Nase rümpft. Relevant für Publikationen von Anwalt, Wirtschaftsprüfer, Steuer- und Unternehmensberater sind in erster Linie harte Themen: Entwicklungen in Gesetzgebung und Praxis, Hintergründe oder Zusammenhänge. Autoren, die sich auf harte Themen beschränken, müssen sich um die Befindlichkeiten ihrer Mandanten keine Gedanken machen. Ein Mandant, der sich beschwert, gut informiert zu sein, wäre mir neu.
Die Beschränkung auf harte Themen hat nur einen Nachteil: Das Blog/der Newsletter/das Kundenmagazin ist monothematisch und damit in der Lektüre sehr ermüdend. Das Problem können weiche Themen lösen. Auch diese können relevant sein. Gute Beispiele für die Relevanz weicher Themen findet man in den Rubriken ‚Out of Office‘ der FTD oder ‚5 to 9‘ des Handelsblatt: Lebensstil-Themen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit bei der Zielgruppe ankommen.
Und welche weichen Themen eignen sich für juristische Blogs? Das kommt auf die Fachrichtung des Blog an. Für das Kartellblog würde ich Kunst und Kultur, Reisen, Essen und Trinken vorschlagen. Auch wer nicht viel über Fusionskontrolle weiß, kann guten Gewissens von zwei Sachen ausgehen. Wer sich damit beschäftigt, hat in der Regel eine hohe formale Bildung und wird nicht gerade wenig verdienen. Die Themenwahl ist vielleicht etwas klischeehaft, aber genau so funktioniert die Konzeption eines Mediums.
Man sollte es nicht übertreiben mit den weichen Themen. Sonst wird aus einem guten juristischen Blog schnell ein gutes Kulturblog. Das ist auch nicht zu verachten, verfehlt aber leider das Thema.
Ein weiteres wichtiges Stichwort in der Gemengelage von Kommunikation und Mandantenbeziehung ist Meinung. Meinung ist extrem wichtig, aber auch sehr heikel. Aus meiner Erfahrung: Mandanten lieben pointierte und geschliffene Meinungen ihrer Berater. Und sie misstrauen dem Anwalt, der neutraler als die Schweiz daherkommt. Allerdings: Nichts vertreibt einen Mandanten so schnell und sicher wie die falsche Meinung zu einem Punkt. Dem Kommunikationsberater bleibt hier nicht mehr übrig, als zu Meinung zu ermutigen – die Entscheidung im Einzelfall hängt vom Anwalt ab. Es ist sein Mandant, er kennt ihn am besten. Und er weiß, ob der Mandant im worst case ersetzbar ist.










