Bitte keine Social Media Strategie
Bild: CC-BY slopjop | flickr.com
Ständige Wiederholung macht eine falsche Aussage nicht richtiger. Momentan ärgert mich die Aussage ‚Sie brauchen eine Social Media Strategie‘. So inflationär gebraucht, wie falsch. Richtiger ist: Sie sollten Social Media in Ihre strategischen Überlegungen, die Sie ohnehin hoffentlich betreiben, miteinbeziehen. Denn Social Media kann Lösung oder Ursache einiger Ihrer Probleme sein.
Social Media gibt uns eine Reihe von Tools und Plattformen an die Hand, die es uns erlaubt, ‚social‘ zu sein: zu veröffentlichen, zu bewerten, zu diskutieren, zu vernetzen. Aber diese Tools sind zunächst einmal eben nur das – Werkzeuge. Wer dem Einsatz von Xing, Twitter, seinem Blog oder Facebook den Rang einer Strategie zuerkennt, der hat auch eine Pressemitteilungsstrategie oder eine Mitarbeitergesprächsstrategie. Gratulation zu einem Podiumsplatz im Bullshit-Bingo. Dennoch: Richtig eingesetzt, können diese Tools Probleme lösen.
Social Media sind sichtbare Zeichen einer gesellschaftlichen Entwicklung, die für Ihr Unternehmen vielleicht nicht heute, morgen oder übermorgen allerdings bestimmt Folgen haben wird. Menschen vernetzen sich über Social Media untereinander. Sie reden über viele banale Sachen, aber auch über Unternehmen, Produkte oder Karrierechancen. Als Unternehmen sollten Sie einen Weg finden, zumindest an den für Sie relevanten Gesprächen teilzunehmen.
Denn: Mit dem Grad der Vernetzung der Menschen untereinander sinkt die Bedeutung von abstrakten Gebilden wie Marken oder Firmen. Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Individuen. Denn durch die Vernetzung werden Know-how-Träger in Unternehmen sichtbar. Die Unternehmenskultur wird publik und unter Umständen zeigen sich Brüche zur Marke oder der gepflegten Reputation. Verhindern können Sie das nicht. Restriktionen und Verbote vertreiben High-Potentials.
Auch die Zielgruppe ist nicht länger die Zielgruppe. Mit nur wenig Aufwand können Sie mehr über Ihre Kunden und Interessenten erfahren, als mit herkömmlicher Marktforschung. Den Namen zum Beispiel. Oder den Wohnort. Seine Hobbies und die Haarfarbe der Frau. In jedem Einzelfall. Das natürlich nur, wenn Sie sich mit ihm vernetzen. Und zwar Sie als Person und nicht Ihre Marke oder Firma.
Wenn Sie ganz viel Zeit haben, können Sie noch darüber nachdenken, welche Folgen diese Entwicklung für die Zukunft von Arbeitsverhältnissen hat.
Darüber sollten Sie sich Gedanken machen, wenn Sie Ihre Unternehmensstrategien demnächst überdenken. Und nicht über eine Social-Media-Strategie, die sich damit befasst, herkömmliche Marketing-, Kommunikations- und Recruitingkonzepte auf Plattformen wie Xing, Facebook oder Twitter zu bringen.
Bitte.













Pingback: Social Media für Unternehmen – first things first