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Bitte keine Social Media Strategie

24 January 2011 3 Comments

Bild: CC-BY slopjop | flickr.com


Ständige Wiederholung macht eine falsche Aussage nicht richtiger. Momentan ärgert mich die Aussage ‚Sie brauchen eine Social Media Strategie‘. So inflationär gebraucht, wie falsch. Richtiger ist: Sie sollten Social Media in Ihre strategischen Überlegungen, die Sie ohnehin hoffentlich betreiben, miteinbeziehen. Denn Social Media kann Lösung oder Ursache einiger Ihrer Probleme sein.


Social Media gibt uns eine Reihe von Tools und Plattformen an die Hand, die es uns erlaubt, ‚social‘ zu sein: zu veröffentlichen, zu bewerten, zu diskutieren, zu vernetzen. Aber diese Tools sind zunächst einmal eben nur das – Werkzeuge. Wer dem Einsatz von Xing, Twitter, seinem Blog oder Facebook den Rang einer Strategie zuerkennt, der hat auch eine Pressemitteilungsstrategie oder eine Mitarbeitergesprächsstrategie. Gratulation zu einem Podiumsplatz im Bullshit-Bingo. Dennoch: Richtig eingesetzt, können diese Tools Probleme lösen.


Social Media sind sichtbare Zeichen einer gesellschaftlichen Entwicklung, die für Ihr Unternehmen vielleicht nicht heute, morgen oder übermorgen allerdings bestimmt Folgen haben wird. Menschen vernetzen sich über Social Media untereinander. Sie reden über viele banale Sachen, aber auch über Unternehmen, Produkte oder Karrierechancen. Als Unternehmen sollten Sie einen Weg finden, zumindest an den für Sie relevanten Gesprächen teilzunehmen.


Denn: Mit dem Grad der Vernetzung der Menschen untereinander sinkt die Bedeutung von abstrakten Gebilden wie Marken oder Firmen. Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Individuen. Denn durch die Vernetzung werden Know-how-Träger in Unternehmen sichtbar. Die Unternehmenskultur wird publik und unter Umständen zeigen sich Brüche zur Marke oder der gepflegten Reputation. Verhindern können Sie das nicht. Restriktionen und Verbote vertreiben High-Potentials.


Auch die Zielgruppe ist nicht länger die Zielgruppe. Mit nur wenig Aufwand können Sie mehr über Ihre Kunden und Interessenten erfahren, als mit herkömmlicher Marktforschung. Den Namen zum Beispiel. Oder den Wohnort. Seine Hobbies und die Haarfarbe der Frau. In jedem Einzelfall. Das natürlich nur, wenn Sie sich mit ihm vernetzen. Und zwar Sie als Person und nicht Ihre Marke oder Firma.


Wenn Sie ganz viel Zeit haben, können Sie noch darüber nachdenken, welche Folgen diese Entwicklung für die Zukunft von Arbeitsverhältnissen hat.


Darüber sollten Sie sich Gedanken machen, wenn Sie Ihre Unternehmensstrategien demnächst überdenken. Und nicht über eine Social-Media-Strategie, die sich damit befasst, herkömmliche Marketing-, Kommunikations- und Recruitingkonzepte auf Plattformen wie Xing, Facebook oder Twitter zu bringen.


Bitte.

  • http://pulse.yahoo.com/_NDBVELTCVYB4R6O6PI35REYOVE overrag

    Warum kann nicht von einer Strategie gesprochen werden wenn man Verhaltensweisen der Social Media Kommunikation definiert die den Usern, speziell Followern sozialer Netzwerke, gerecht werden?

    Bringen wie es doch mal auf den Punkt.
    Gerade auf die inhaltlichen Dimensionen der Social Media Kommunikation kommt es doch an. Dort bedarf es einer zielgruppenorientierten Kommunikation, einer Strategie, oder etwa nicht? Ich meine wenn ich beipielsweise ein Games-Publisher bin und eine Facebook Fanpage für ein neues Game betreibe, die ausschliesslich von Gamern ein “Gefällt mir”erhält, wäre es doch fatal an deren Erwartungen vorbei zu kommunizieren…Ebensoo sollte eine langfristige Strategie formuliert werden die verhindert das eine Anzahl von X followern auf weitere Aktionen vergeblich wartet. Ebenso ist eine überlegte Kombination unterschiedlicher sinnvoll vernetzter Social Media Kanäle eine Grundvorraussetzung. Also keine Strategie? Strategien gesehen als Maßnahmen grundsätzlicher Art zur Erreichung von Kommunikationszielen.

  • http://www.genuin4.de Christian Dingler

    Hallo … overrag,

    zunächsteinmal Danke für Deinen Beitrag. Was die inhaltliche Dimension von Kommunikation über Social Media anbelangt, kann ich Dir nur zustimmen. Worum es mir geht, ist etwas anderes.

    Eine Strategie ist ein planvolles Vorgehen zum erreichen von Zielen. In Deinem Beispiel ist das Ziel: Kommunikation mit Gamern. Rede ich jetzt von einer Social Media Strategie, dann lege ich automatisch fest, nur über Social Media mit dem Gamern zu reden. Und das ist gefährlich. Alle anderen – auch analogen Wege – schließe ich von vornherein aus. Der direkte Kontakt mit den Gamern, zum Beispiel auf der Gamescom, hat keinen Platz in einer Social Media Strategie. Ist aber genau so wichtig.

    In der klassischen Konzeptionslehre gibt es ein Dogma, das lautet: In der Aufgabenstellung hat ein Instrument nichts zu suchen, denn es nimmt das Ergebniss vorweg, das vielleicht nur eine von vielen möglichen Lösungen ist. Und vielleicht nicht die Beste. Oder nur eine unvollständige.

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