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Die Sache mit den Referenzen

22 July 2011 3 Comments

Bild lizenziert unter CC-BY von Sam Howzit | flickr.com

Ein Thema geht mir aktuell nicht mehr aus dem Kopf. Referenzen. Das hat damit zu tun, dass ich in der vergangenen Woche zwei Mal damit konfrontiert wurde. Durch meine Kunden. Die hatten nämlich Probleme mit dem Thema.

Das eine Unternehmen ist ein großer Player aus der Zeitarbeit. Keiner der üblichen Marktteilnehmer, die Servicekräfte vermitteln, sondern hochqualifizierte Akademiker für Projekte in der IT, dem Ingenieurwesen oder dem Flugzeugbau. Das andere Unternehmen ist ein Startup, das ein B2B-Produkt als Software-as-a-Service anbietet.

So unterschiedlich beide Unternehmen sind – was Referenzen betrifft haben beide Unternehmen ähnliche Probleme: Die Kunden zicken. Und ich will einfach nicht begreifen, warum das so ist.

Im Fall des Startups haben wir eine Referenzseite für die Website getextet, sehr ausführlich und umständlich mit dem Ansprechpartner beim Kunden – einem großen Konzern – abgestimmt. Als wir dann zur Zusammenarbeit eine Pressemeldung herausgeben wollten, hat die Unternehmenskommunikation Wind von der Geschichte bekommen. Das vorläufige Zwischenergebnis der Kommunikation sieht so aus: Eine Pressemeldung durch das Startup wird es nicht geben und die Freigabe der Referenzseite hat so wohl auch keine Gültigkeit mehr.

Der Fall des Personaldienstleisters sieht es etwas anders aus – läuft aber auf das gleiche Ergebnis hinaus: keine Referenznennung. Das Unternehmen hat eine Kundenliste, die sich sehen lassen kann. Kaum eines dieser Unternehmen erklärt sich bereit, seinen Namen für eine Referenz herzugeben. Anlässlich eines Interviews sagte mir die Geschäftsführerin, dass sie auch nur spekulieren könne, was den Grund angeht. Große Konzerne müssten ja immerhin auf ihren Namen achten und nicht jeder, der dort mal ‚die Fenster geputzt habe‘ solle von der Marke profitieren können.

Wie gesagt, das ist nur Spekulation von ihrer Seite, aber selbst das kann ich nicht verstehen. Wieso soll der kleine und unbekannte Fensterputzer nicht davon profitieren können, wenn er seine Arbeit gut gemacht hat? Für ihn ist es ein wunderbares Testimonial und der Auftraggeber hat keinen Nachteil.

Wieso soll ein kleines Startup, das ein spezielles Problem für einen Weltkonzern löst, das nicht weitererzählen? Es geht hier ja nicht um Geldwäsche, sondern um etwas Alltägliches.

Wieso sehen Unternehmen Personaldienstleister legitimen Geschäftspartner, loben intern die gute Zusammenarbeit, ziehen aber den Schwanz ein, wenn es um eine öffentliche Referenz geht?

Woran liegt das?

Ist das ein typisch deutsches Phänomen? Ich habe das Gefühl.

Ist das ein typisches Konzernproblem? Auch da habe ich das Gefühl.

Wenn ja, woher kommt das?

Wenn jemand von Euch Antworten hat – gerne. Ich möchte das wirklich mal verstehen.

  • Vincent van der Lubbe

    Aus Kundensicht würde ich mir die umgekehrte Frage stellen:

    was hat eine Firma davon öffentlich eine Referenz abzugeben? WIIFM (What’s In It For Me?)

    Wenn ich nicht ein absoluter, überzeugter Fan bin, birgt das ein Risiko für mich. Also mache ich es erstmal nicht. Je cooler und etablierter ich als Firma bin, desto leichter empfiehlt man mich. Denn die Assoziation mit der Firma wertet dann den eigenen Brand auf.

    Wenn es eine Dienstleistung ist, die nicht komplett standardisiert ist (im Gegensatz z.B. zu einem Sennheiser Kopfhörer ;-) , ist es auch schwerer sie zu empfehlen. Denn im Endeffekt müsste ich dann vor allem die Personen und Service empfehlen. Und die sind bekanntlich häufiger weniger vorhersehbar wie der Nutzwert eines Produktes.

    Empfehlungen:

    1. Beziehung pflegen durch Häufigkeit der Kontaktmomente (Prinzip Gegenseitigkeit, Liking etc.)
    2. Risiko reduzieren durch Anfang über kleine Commitments: z.B. Feedback einfordern wie dem Kunden es gefällt im Rahmen einer privaten Umfrage, ggf. konkrete Kategorien angeben zur Hilfestellung. Ggf. Kanäle nutzen wie Twitter und schauen ob Kunden dort in privater “Fassung” sich positiv äusseren können ohne sofort offiziell zu wirken. Erst im letzten Schritt “öffentlich” gehen.
    3. Vorab reinschreiben in den Vertrag. Das können auch Abstufungen sein, wie: als nicht-öffentliche Referenz für potentielle Kunden dienen. Gemeinsam in einer Roadshow auftreten. Gemeinsam einen Artikel publizieren oder an einem Interview teilnehmen. Als Case in einer nicht-öffentlichen Präsentation dienen. Etc.

    Also: was bringt es dem Referenzgeber?

  • http://www.genuin4.de Christian Dingler

    Hallo Vincent,

    Danke für Deinen Kommentar. Ich habe nur eine Frage dazu. Welches Risiko geht ein Unternehmen mit einer Referenz ein? Für mich sagt eine Referenz: “XY hat für uns gearbeitet und das geleifert, was wir uns gewünscht haben.” Ich sehe in dieser Aussage kein Risiko.

    Grüße nach Zürich!

  • Vincent van der Lubbe

    Hoi Christian,

    eine solche Aussage birgt immer ein Risiko. Das Unternehmen kann nachher zum Beispiel keine guten Leistungen mehr erbringen. Oder es kann sich heraus stellen, dass die Leistung doch nicht so gut war als angenommen. Oder eine Person kann sich nachher unangemessen benehmen. Und und und. Das fällt gefühlt immer auf die Person zurück, die sie damals empfohlen hat.

    Auf Grund der Empfehlung soll ja eine Voraussage über die Qualität in Zukunft geliefert werden. Und die ist immer ungewiss.

    Gruss nach Köln,
    Vincent