Facebook ändert sich und das ist auch gut so

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  • November 22, 2012

„Brauchen wir eine Alternative zu Facebook?“ Das fragte Christian de Vries vor ein paar Tagen über Twitter. Ich finde, wir brauchen keine. Und falls doch, ist sie schon da – tumblr.

 tldr; Facebook ändert sich und das ist auch gut so. Und: Es gibt Alternativen. So oder so.

Eines Vorab. Ich finde die Entwicklung, die Facebook im Moment zeigt eigentlich ganz angenehm. Unternehmen müssen jetzt Geld in die Hand nehmen, wenn sie wollen, dass ich die Status-Updates ihrer Unternehmensseiten auch mitbekomme. Solange sich das nicht flächendeckend durchgesetzt hat, gibt es einen angenehmen Nebeneffekt. Ich entdecke in meiner Timeline plötzlich wieder Updates von selten postenden Freunden, die vorher im endlosen Stream der Marketingnachrichten untergegangen sind. Ich lese doch wesentlich lieber, dass Florian sich verlobt hat als mich von KFC fragen zu lassen, wonach mein Tag riecht.

Ich persönlich brauche im Moment für mich also keine Alternative zu Facebook. Anders stellt es sich bei Unternehmen dar, die jetzt entscheiden müssen, ob sie bereit sind, für die Sichtbarkeit in der Timeline Geld auszugeben. Was ich in meiner Beratungspraxis sehe, ist dass Kunden noch einmal überprüfen, was ihnen die Plattform Facebook bringt – und ob es Alternativen gibt, die weiterhin kostenfrei sind.

Und die gibt es. In einem Fall wurde sich bewusst dagegen entschieden, Facebook Geld zu geben.

Stattdessen bekommt unter den verschiedenen Werkzeugen der Kommunikation das Blog eine stärkere Rolle. Hier soll mehr und vor allem aufwändigerer Inhalt produziert werden. Facebook verliert an Bedeutung, zumindest die Unternehmensseite dort. Die Plattform wird ab Januar nur noch als Linkschleuder für Blogbeiträge oder Stellenanzeigen genutzt – weil es die Seite halt schon gibt. Was es nicht mehr geben wird, ist nur für Facebook produzierter Content oder Links auf Netzfundstellen. Man setzt darauf, dass die Inhalte von den Lesern weiterverbreitet werden, anstatt sich Reichweite zu kaufen.

Aus meiner Sicht eine vernünftige Entscheidung. Für das Unternehmen. Und eine angenehme für die Nutzer. Die bekommen nämlich nur noch den Content vom Unternehmen mit, der ihnen von Freunden geteilt wurde. Mit anderen Worten: Content, der geteilt wurde, weil er Qualität hat.

Wer als Unternehmen weiterhin will, dass ich seine Katzenbilder sehe oder mich fragen will, ob mein Tag nach Chicken Wings riecht, der muss halt zahlen. Ich finde das gut. Vielleicht ändert das ja was an diesem Marketing aus der Hölle.

Aber Christian meinte das ja alles ganz anders, wie er mir beim Bier vor dem Plan B-Konzert in Köln erzählt hat.

Facebook hat ein Monopol unter den sozialen Netzwerken und ein Monopol ist nie gut für die technologische Entwicklung, so seine These. Deshalb ist es wichtig, Alternativen zu haben.

Ich finde, wir haben eine. Guckt man sich Facebook an, dann ermöglicht es zwei Sachen. Vernetzung und Publikation. Und für beides gibt es Alternativen. tumblr zum Beispiel. Es ermöglicht mir, zu publizieren und mich zu vernetzen. Das sogar asynchron, was ich für einen unglaublichen Vorteil erachte. Auch ist es kein geschlossenes Ökosystem. Der bei tumblr publizierte Content steht jedem offen, auch denen, die nicht bei tumblr sind – noch ein Vorteil.

Und weil ich weiß, dass Christian an dieser Stelle mit 1-9-90 kommt: Man muss nicht publizieren, wie gerade geschrieben, man kann auch einfach nur konsumieren. Und die Vernetzung über What’s App oder Skype betreiben.

Ja, Facebook hat ein Monopol, ja das ist schlecht für Innovation. Aber die Alternativen sind da.

Ich persönlich freue mich ja auf medium. Zu medium gehört auch der Screenshot, der oben als Titelbild dient.

Und auf eine Replik von Christian.

Und jetzt hab ich doch einen Beitrag nur zu Plattformen geschrieben. Ihr dürft mit mir schimpfen.

3 Comments

  • […] anders: Brauchen wir eine Alternative zu facebook? Während Christian tumblr ins Feld führt (zum Anlass der Diskussion komme ich später noch….), ist es nach meiner Meinung nach nicht […]

  • Ob wir eine Alternative zu facebook brauchen oder nicht ist meiner Meinung nach kein Diskussionspunkt. Entweder wird es etwas Neues geben, was alle gut finden oder nicht.
    Interessanter ist für mich die Frage, ob die Nutzer von facebook nicht längst überfordert sind. In meinem Bekanntenkreis dazu ein klares ja.
    Egal ob Personaler, Vertriebler oder sogar Marketing – die meisten
    Kollegen verstehen nichtmal die Einstellungen bei facebook. Selbst den
    selbsternannten Experten muss es erst einer erklären, was es mit den neuen Listen und Abonemments auf sich hat.
    Ob ich als Unternehmen also noch meine Zielgruppe erreiche, hat leider bei facebook nicht mehr aussschließlich mit mir zu tun sondern leider vielmehr mit der Bereitschaft der Zielgruppe, sich überhaupt damit zu beschäftigen.
    Lesenswert dazu ist auch das hier: http://www.knowhow-socialmedia.de/2012/11/13/sind-mitarbeiter-von-der-modernen-form-der-kommunikation-uberfordert/

  • Daniel Rehn sagt:

    Wir haben gestern in kleiner Runde darüber diskutiert, wo die Reise als nächstes hingehen wird. Wird Facebook in drei Jahren noch relevant sein? Kommt MySpace vielleicht doch zurück? Hat Google+ eine Chance überhaupt abseits der Kommunikationsbranche als möglicherweiseeventuellmalschauen interessant zu werden? Wir einigten uns auf ein klares „Schaunmermal“. Die Entwicklungen sind zu unbeständig, um die Kristallkugel auf Hochglanz zu bringen.

    Was man im Moment aber beobachten kann, ist die Rückkehr zum Pflegen der Angebote, die in der eigenen Hand liegen. Blogs zum Beispiel. Explizit Corporate Blogs. Da kann mir Facebook nicht als Vermieter dazwischengrätschen und die Miete erhöhen, nur damit mein schickes Loft auch weiterhin für alle sicht-/erreichbar ist. Dazu gehören auch Blogs auf tumblr-Basis, wie sie zum Beispiel von foursquare oder auch Instagram gepflegt werden. Und das sind ja wirklich keine Kleinen im Business.

    Ob tumblr die beste Alternative zu Facebook darstellt, das vermag ich nicht zu sagen. Facebook ist bis auf Weiteres der Platzhirsch. Einfach, weil „alle“ da sind. Wie lange das noch ist oder ob man sich mit den steten Verschlimmbesserungen im Stream nicht doch die ersten Wellen vergrätzt, das bleibt abzuwarten. Der Blick nach links und rechts wird bei vielen aber wieder bewusster wahrgenommen, was tumblr und Co. wieder Zuläufe beschert.

    Am Ende müssen die Unternehmen (sofern sie es wollen) dorthin, wo die User/Kunden/Fans/Stakeholder/whatever sich aufhalten und wohlfühlen, ohne diese Wohlfühlatmosphäre zu killen. Das ist nicht einfach, da das Web per se für Kommunikation zwischen Menschen und nicht zwischen Menschen und Unternehmen geschaffen wurde, aber es ist ein Trend, den ich sehr wohlwollend beobachte.

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