Webvideo für Unternehmen

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  • März 13, 2015

Made for Youtube

Schnelle Schnitte, ungewohnte Einstellungen, Flat Design. Der Videojournalismus von vox.com orientiert sich in seiner Ästhetik klar an Youtubern. Dabei zeigt das Journalismus Start-UP: Diese Webvideo-Ästhetik funktioniert auch bei ernsten und gewichtigen Themen. Für die Unternehmenskommunikation keine ganz unwichtige Erkenntnis.

Schnelle Schnitte, ungewohnte Einstellungen, Flat Design. Der Videojournalismus von vox.com ist in seiner Ästhetik klar Made for Youtube. Dabei zeigt das Journalismus Start-UP: Diese Webvideo-Ästhetik funktioniert auch bei ernsten und gewichtigen Themen. Für die Unternehmenskommunikation keine ganz unwichtige Erkenntnis.

Die Videoplattform Youtube hat einen ganz eigenen Stil hervorgebracht. Kurze Videos, die direkt zur Sache kommen, kein Vorspann, ungewohnte Kameraeinstellungen und schnelle Schnitte. Von Autodidakten geprägt ist dort stilistisch fast alles erlaubt. Und es sind gerade Videos dieser Machart, die Erfolg haben. Die viel gesehen und häufig geteilt werden.

Ganz anders in der Unternehmenskommunikation. Dort dominieren noch heute Videos, die in ihrer Machart häufig noch nüchterner daherkommen als klassische Beiträge in öffentlich-rechtlichen Nachrichtenformaten. Solche Beiträge haben es im Netz traditionell schwer. Zuschauerzahlen und Social Signals erreichen bei weitem nicht die Dimensionen anderer Wettbewerber um Aufmerksamkeit.

Der Moderationsstil eines LeFloid taugt kaum

als Vorbild für Unternehmenssprecher

 

Dieses Bild ist genau so verständlich wie schade. Natürlich wird kaum ein kein einziger Unternehmenssprecher den Moderationsstil von LeFloid übernehmen. Und das ist auch gut so. Zum anderen muss die Unternehmenskommunikation aber eher früher als später einen Weg finden, ihre Botschaften auch im Internet über bewegte Bilder an die Zielgruppen zu bringen.

Nun wird Bewegtbild gerade in den USA schon länger nicht nur von Fernsehsendern produziert. Auch Verlage und Onlinemedien sind unter die „TV-Macher“ gegangen. Und gerade die reinen Onlinemedien scheinen einen Weg gefunden zu haben, seriöse Informationsvermittlung so mit Produktionshandwerk zu verbinden, dass die Beiträge sowohl bei Youtube als auch auf der eigenen Website oder in Social Networks wie Facebook funktionieren.

Das Video oben zeigt Matthew Yglesias vom Journalismus Start-UP vox.com im Gespräch mit Barack Obama. Nur 3:30 Minuten lang unterhalten sie sich über die amerikanische Außenpolitik. Unglaublich lang für Youtube-Verhältnisse, unglaublich kurz für Hintergrundgespräche. Der Trick ist: vox.com zerteilt ein Interview von über eine Stunde Länge in monothematische Dreieinhalbminüter und veröffentlicht diese sukzessive als „Obama – The Vox Conversations“. Stilistisch beschreitet Vox dabei Neuland und zeigt im Screen Design Dinge, die wir bislang nur aus dem Webdesign gewohnt waren. Und es funktioniert.

The Vox Conversations

Die erste Einstellung des Videos erinnert im Flat Design an Startseiten populärer Online-Dienste

 

Die erste Einstellung des Video löst ein seltsames Gefühl des „kenn ich“ aus. Sie erinnert stark an im sogenannten Flat Design gehaltene Startseiten populärer Online-Dienste.

Wann immer Bezug genommen wird auf Veröffentlichungen, montiert Vox diese ins Video, teilweise bildschirmfüllend, teilweise transparent über dem unscharfen Hintergrundbild, in dem das Interview weiterläuft. Auch das stilistisch eine Anleihe aus dem Webdesign.
Wann immer es um Zahlen, Daten oder Fakten geht, werden Infografiken in das Interview montiert. Eigentlich nichts Neues, doch in der Stilistik erinnert das wieder mehr an Webdesign als an klassisches Screen-Design, wie man es von TV-Sendern kennt.

Kamerafahrten galten bislang als No-Go.

Kamerafahrten galten bislang als No-Go.

 

An einer Stelle im Video fährt die Kamera seitlich an Obamas Gesicht vorbei, die Infografik fährt in den freiwerdenden Raum. Auch dieser Effekt ist für den Journalismus neu. Bei Webvideo, wo das Gehirn noch mehr getriggert werden muss, um am Ball zu bleiben als im TV, funktioniert das, ohne unseriös zu wirken.

 

Am Ende des Videos hat man eine Ahnung, wie dieser Stil für die Unternehmenskommunikation funktionieren kann. Inszenierungen von Vorständen, die aktuelle Unternehmenszahlen vorstellen, sind eine Möglichkeit. Gespräche über die Strategie eine andere. Fehlt allein ein Unternehmen, das den Mut zeigt und die alten Bewegtbildformate nicht weiter weiter fortführt. Online funktionieren sie ohnehin nicht.

Edit, 16. März 2015, 11:30

Bei vice.com sieht Webvideo mit Obama dann so aus. Und bringt über 700.000 Views allein für den Trailer. Man mag sich fragen, was eine testosterongeschwängerte Inszenierung mit Journalismus zu tun hat. Als Unternehmenskommunikator kann ich vor der Inszenierung allerdings nur den Hut ziehen.

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